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US-Zölle Mai 2026: 4.-Juli-Ultimatum, 25 %-Auto-Drohung und der Supreme-Court-Schock

Sechs Wochen vor dem 4. Juli 2026 steht der transatlantische Handelsdeal wieder auf der Kippe. Trump droht der EU mit 25 % Zoll auf Autos, der Supreme Court hat im Februar die rechtliche Grundlage für viele der bisherigen Strafzölle gekippt — und die EU verhandelt unter Hochdruck. Dieser Artikel fasst zusammen, was zwischen Juli 2025 und heute passiert ist, welche drei Szenarien für Juli 2026 plausibel sind und was das konkret für DACH-Importeure und -Exporteure bedeutet.

Hintergrund: Wer die längere Vorgeschichte der US-Zollpolitik braucht — von den Gründervätern über Smoot-Hawley bis zu Trump 2.0 — findet sie im Begleitartikel US-Zölle: Geschichte und Handelskrieg.

Wo wir stehen — der Status Mai 2026

Der Turnberry-Deal vom 27. Juli 2025 hatte den eigentlichen Handelskrieg eingefangen: 15 % pauschaler US-Zoll auf alle EU-Exporte, 0 % auf US-Industriegüter in die EU, 600 Mrd. US-Dollar EU-Investitionen in den USA und 750 Mrd. US-Dollar Energie-Käufe bis 2028. Die 15 % gelten als Obergrenze — kein Stacking mit Section-232-Zöllen.

Seit Februar hat sich diese Konstellation in drei Punkten verschoben: Erstens hat der Supreme Court die rechtliche Basis vieler Zölle weggekippt — Trump musste seinen Werkzeugkasten tauschen. Zweitens wirft Trump der EU vor, die zugesagten Investitionen und Energie-Käufe nicht schnell genug zu liefern. Drittens hat er am 1. Mai erstmals konkret mit 25 % auf Autos gedroht — am 7./8. Mai folgte die 4.-Juli-Frist.

Die wichtigsten Ereignisse im Überblick

27. Juli 2025
Turnberry-Deal

Trump und von der Leyen einigen sich auf 15 % Pauschalzoll auf EU-Exporte, 0 % auf US-Industriegüter, dazu 600 Mrd. $ EU-Investitionen und 750 Mrd. $ Energie-Käufe bis 2028.

21. August 2025
Joint Statement

Das Rahmenabkommen wird in einer gemeinsamen Erklärung formalisiert. Inkrafttreten und sektorale Ausnahmen werden präzisiert.

20. Februar 2026
Supreme Court kippt IEEPA-Zölle

Mit 6:3 entscheidet der Supreme Court in Learning Resources v. Trump: IEEPA gibt dem Präsidenten keine Vollmacht zur Verhängung von Zöllen. Trump weicht binnen 24 Stunden auf Section 122 aus.

1. Mai 2026
25 %-Auto-Drohung

Trump kündigt an, Zölle auf EU-Autos und -Lkw von 15 % auf 25 % zu erhöhen — mit Hinweis auf angeblich zu langsame Umsetzung des Deals durch die EU.

7.–8. Mai 2026
Ultimatum 4. Juli

Trump setzt der EU eine Frist bis zum 4. Juli 2026 zur Ratifizierung der Deal-Klauseln. Andernfalls „viel höhere“ Zölle. Von der Leyen bekräftigt: „Wir sind voll committed.“

13. Mai 2026
EU findet Einigung auf Schlüsselklauseln

EU-Unterhändler melden Durchbruch auf zentralen Streitpunkten. Ob das bis zur Frist parlamentarisch ratifiziert ist, bleibt offen.

Februar 2026: Der Supreme Court kippt die IEEPA-Zölle

Am 20. Februar 2026 entschied der U.S. Supreme Court in Learning Resources, Inc. v. Trump mit 6 zu 3 Stimmen: Der International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977 gibt dem Präsidenten keine Vollmacht, im Notstand Zölle zu verhängen. Die Mehrheit — angeführt von Chief Justice Roberts und gestützt unter anderem auf Gorsuch und Barrett — argumentierte: Wer Importe „regulieren“ darf, darf sie nicht automatisch besteuern.

Praktisch bedeutete das: Der „Liberation Day“-Universalzoll vom April 2025 und Teile der China-Zölle aus dem ersten Quartal 2025 hatten ihre Rechtsgrundlage verloren. Innerhalb von 24 Stunden kündigte Trump an, die Zölle auf Section 122 des Trade Act 1974umzustellen — also eine Universalzoll-Vollmacht für maximal 150 Tage bei ernsten Zahlungsbilanzdefiziten, mit 15 %-Deckel.

Der neue Werkzeugkasten — drei Paragraphen

RechtsgrundlageWas sie erlaubtGrenze
Section 122Universalzoll bei Zahlungsbilanz-DefizitMax. 15 %, 150 Tage
Section 232Sektorale Zölle wegen „nationaler Sicherheit“Stahl, Aluminium, Autos — unbefristet
Section 301Vergeltung gegen „unfaire“ HandelspraktikenHauptsächlich gegen China — keine starre Obergrenze
⚠️ Wichtig für EU-Importeure von US-Waren: Auch wenn die Rechtsgrundlage gewechselt hat — die EU hat ihre Vergeltungszölle auf US-Bourbon, -Motorräder und -Agrarprodukte nicht zurückgenommen. Wer US-Waren in die EU importiert, sollte den aktuellen TARIC-Eintrag prüfen.

Die 25 %-Auto-Drohung trifft DACH am härtesten

Am 1. Mai 2026 kündigte Trump an, den Zoll auf EU-Autos und -Lkw von 15 auf 25 % anzuheben — formal gestützt auf Section 232. Das trifft die deutsche Autoindustrie ins Mark: Mercedes, BMW und VW exportieren einen erheblichen Teil ihrer US-Verkäufe direkt aus europäischen Werken, vor allem Luxus- und SUV-Modelle.

Was 10 Prozentpunkte Zoll konkret bedeuten

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel für einen in Deutschland gebauten SUV mit Listenpreis 60.000 € in den USA:

Status quo (15 %)
Werkspreis (FOB)40.000 €
Zoll 15 %6.000 €
Landed Cost USA46.000 €
Bei 25 %
Werkspreis (FOB)40.000 €
Zoll 25 %10.000 €
Landed Cost USA50.000 €
Mehrkosten pro Fahrzeug4.000 €

Bei einem deutschen Premium-Hersteller mit ~400.000 US-Fahrzeugverkäufen pro Jahr summieren sich 4.000 € Mehrkosten je Auto rechnerisch auf rund 1,6 Mrd. € jährlich. Wer das trägt — Hersteller, Händler oder Endkunde — ist eine der Schlüsselfragen.

Drei Szenarien für den 4. Juli 2026

Ein paar Wochen vor der Frist lassen sich drei plausible Pfade unterscheiden. Die Wahrscheinlichkeiten sind grobe Einschätzung — keine Prognose:

wahrscheinlich
Szenario A — Deal hält

EU ratifiziert die Klauseln rechtzeitig, Trump bestätigt 15 % als Obergrenze. Auto-Zölle bleiben bei 15 %, kein Stacking mit Section 232. Status quo seit Juli 2025.

möglich
Szenario B — Auto-Eskalation

EU verzögert, Trump hebt Auto-Zölle einseitig auf 25 %. BMW, Mercedes, VW besonders betroffen. EU droht mit Vergeltung auf US-Bourbon, -Motorräder, -Agrarprodukte — Re-Run der 2018er-Eskalation.

unwahrscheinlich, aber teuer
Szenario C — Voller Bruch

Deal platzt komplett. Trump verhängt 30 %+ auf breite EU-Warenkörbe, EU antwortet mit symmetrischen Vergeltungszöllen. Zurück in die Eskalationsspirale von Q1 2025.

Realistisch bewegen wir uns aktuell zwischen Szenario A und B. Der gemeldete Verhandlungs-Durchbruch vom 13. Mai spricht für A, der politische Druck im US-Wahljahr und die ungeklärte Frage der 600-Mrd.-Investitionen für B.

Was bedeutet das für DACH-Importeure und -Exporteure?

Auch wer nicht direkt in die USA exportiert, ist betroffen. Vier Effekte treffen den deutschen Mittelstand:

1. EU-Hersteller suchen neue Absatzmärkte — Wettbewerbsdruck zuhause

Wenn US-Märkte für deutsche Autos, Maschinen und Chemie teurer werden, leiten EU-Hersteller Produktion auf den Heimat- und Drittmarkt um. Das senkt kurzfristig Preise, erhöht aber den Wettbewerb für mittelständische EU-Anbieter.

2. EU-Vergeltungszölle treffen US-Waren-Importe

Die EU-Vergeltungsliste aus dem ersten Quartal 2025 ist weiterhin aktiv: Bourbon, Harley-Davidson-Motorräder, Jeans, Erdnussbutter, einige Agrarprodukte. Wer US-Waren in die EU importiert, sollte vor jeder Bestellung die aktuelle TARIC-Lage prüfen — die Sätze ändern sich teils im Wochentakt.

3. Wechselkurs-Volatilität

Eskalations-Schlagzeilen drücken auf den Euro, Deeskalations-Schlagzeilen heben ihn. Wer Container in US-Dollar bezahlt — typisch für China-Importe — sieht Einkaufspreise schwanken, ohne dass sich am Produkt selbst etwas ändert. Forward-Kontrakte oder mehrwährungsfähige Lieferantenverträge dämpfen das.

4. China-Umleitungseffekte verstärken sich

Section-301-Zölle gegen China bleiben hoch. Chinesische Hersteller leiten Überschüsse weiter nach Europa um — das kann EU-Antidumping-Untersuchungen auslösen. Wer langfristige Lieferantenverträge mit China hat, sollte Klauseln für neue EU-Schutzmaßnahmen prüfen.

Was du jetzt tun solltest

1

Szenario-Rechnungen für deine Top-Produkte

Rechne die Landed Cost deiner wichtigsten Produkte für beide Szenarien (15 % bzw. 25 % bei US-Exporten; aktuelle vs. potenzielle EU-Vergeltung bei US-Importen) parallel durch. Der TariffIQ Zollrechner erlaubt Vergleichsrechnungen mit verschiedenen Ursprungsländern und Sätzen.

2

Alerts auf US-relevante TARIC-Codes setzen

Wenn du US-Waren importierst, lohnen sich Alerts auf deine TARIC-Positionen. EU-Vergeltungsmaßnahmen kommen oft binnen Tagen nach US-Ankündigungen — eine Vorwarnzeit von 24 Stunden macht den Unterschied zwischen einer fertig gepackten Container-Lieferung und einer hängenden.

3

Ursprung diversifizieren — und dokumentieren

Vietnam, Indien, Mexiko und die Türkei profitieren von den Umleitungs-Effekten. Wer dort neue Lieferanten aufbaut, sollte Ursprungsnachweise sauber führen — bei erhöhter US-Aufmerksamkeit wird auch transshipment über Drittländer schärfer geprüft.

4

Verträge auf Tariff-Klauseln prüfen

Wer ist bei einer Zoll-Erhöhung in der Pflicht — du oder dein Abnehmer? Lieferverträge mit US-Käufern sollten explizit regeln, wer Section-232-Erhöhungen trägt. Bei Neuverhandlungen lohnt sich eine Tariff-Pass-Through-Klausel.

Häufige Fragen

Was passiert am 4. Juli 2026?

Trump hat der EU eine Frist bis zum 4. Juli 2026 gesetzt, die Klauseln des Turnberry-Deals vom Juli 2025 vollständig zu ratifizieren. Bei Versäumnis droht er mit deutlich höheren Zöllen — insbesondere mit einer Anhebung der Auto-Zölle von 15 auf 25 %. Die EU verhandelt aktuell auf Hochtouren; ein Durchbruch auf zentralen Klauseln wurde am 13. Mai gemeldet.

Bedeutet das Supreme-Court-Urteil, dass die Zölle weg sind?

Nein. Das Urteil vom 20. Februar 2026 hat nur die auf IEEPA gestützten Notstands-Zölle gekippt. Trump hat binnen 24 Stunden auf Section 122 des Trade Act 1974 ausgewichen (Universalzoll von bis zu 15 % für 150 Tage) und stützt sektorale Zölle weiter auf Section 232 (Stahl, Aluminium, Autos) und Section 301 (China). Praktisch sind die Zölle also bestehen geblieben — nur die Rechtsgrundlage hat sich verschoben.

Bekomme ich als Importeur die bereits gezahlten IEEPA-Zölle zurück?

Möglich — abhängig von Land, Verfahren und Einzelfall. Mehrere US-Kanzleien beraten US-Importeure bei Rückerstattungsanträgen. Für EU-Importeure ist das nicht direkt relevant, da nur Importe in die USA betroffen sind. Wer als deutscher Exporteur Zollkosten an einen US-Käufer weitergegeben hat, sollte vertragliche Erstattungsklauseln prüfen.

Warum sollte mich als EU-Importeur ein US-EU-Streit interessieren?

Drei Gründe: (1) Vergeltungszölle der EU verteuern US-Importe in die EU. (2) Wenn EU-Exporte in die USA teurer werden, suchen EU-Hersteller neue Absatzmärkte und der Innen-Wettbewerb steigt. (3) Wechselkurseffekte: Eskalationen drücken auf den Euro und verteuern Importe aus Drittländern, die in USD fakturiert werden — typischerweise China.

Sind die 600 Mrd. $ Investitionen und 750 Mrd. $ Energie-Käufe realistisch?

Sie sind politische Zusagen, keine vertraglichen Verpflichtungen einzelner Unternehmen. Die EU-Kommission kann keine Privatinvestitionen anordnen. Genau hieran entzünden sich aktuell Trumps Vorwürfe der „zu langsamen Umsetzung“. Welche Umsetzungsmechanismen am Ende greifen, ist Teil der laufenden Verhandlung.

Was ist Section 122 und warum 150 Tage?

Section 122 des Trade Act 1974 erlaubt dem US-Präsidenten, bei „ernsthaften Zahlungsbilanzdefiziten“ einseitig universelle Zölle von bis zu 15 % zu verhängen — aber maximal für 150 Tage. Eine Verlängerung braucht Kongress-Zustimmung. Die Zölle, die Trump nach dem Supreme-Court-Urteil unter Section 122 erlassen hat, laufen also automatisch aus, sofern der Kongress sie nicht bestätigt.

Behalte die Zollkosten im Griff — egal, was am 4. Juli passiert.

Berechne Zölle und EUSt für jedes Produkt, vergleiche Ursprungsländer und richte Alerts auf deine TARIC-Codes ein. Kostenlos und ohne Anmeldung.

Stand: 14. Mai 2026. Die hier beschriebene Lage ist hochdynamisch — Ankündigungen, Fristen und Zollsätze können sich kurzfristig ändern. Alle Angaben sind unverbindliche Orientierung und ersetzen keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Für verbindliche Auskünfte wende dich an das zuständige Hauptzollamt oder einen Fachberater.