Amazon FBA Import: Zollkosten richtig kalkulieren (2026)
Wer auf Amazon FBA verkauft und Produkte aus China, Indien oder anderen Drittländern importiert, muss seine Zollkosten genau kennen. Trotzdem kalkulieren viele Seller nur mit Einkaufspreis und FBA-Gebühren — und vergessen Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Nebenkosten. Das Ergebnis: die tatsächliche Marge ist niedriger als geplant. Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, wie du die Zollkosten für deinen FBA-Import korrekt berechnest — und was sich ab Juli 2026 ändert.
Wann fallen überhaupt Zölle an bei FBA?
Zölle und EUSt werden fällig, sobald deine Ware aus einem Nicht-EU-Land in die EU eingeführt wird — typischerweise in dem Moment, in dem dein Container oder Paket am EU-Hafen oder Flughafen ankommt und vom Zoll abgefertigt wird. Wichtig: DU bist der Importeur, nicht Amazon. Du bist verantwortlich für die korrekte Verzollung, für die Zahlung der Abgaben und für die Dokumentation.
Wenn du Waren innerhalb der EU zwischen FBA-Lagern verschiebst (z. B. von Deutschland nach Frankreich), fallen keine weiteren Zölle an — aber ggf. USt-Registrierungspflichten im Zielland bei Pan-EU. FBA-Gebühren sind keine Zölle; das sind Amazons Lager- und Versandgebühren und werden separat abgerechnet.
Die vollständige Kostenstruktur eines FBA-Imports
Viele Seller rechnen „EK + FBA-Gebühren + Amazon-Provision = meine Kosten“ — und vergessen Zoll, EUSt, Fracht und Nebenkosten komplett. Die folgende Tabelle zeigt alle Posten, die tatsächlich in deine Kalkulation gehören:
| Kostenblock | Typ. Höhe | Quelle |
|---|---|---|
| Warenwert (FOB) | variiert | Lieferant |
| Frachtkosten | 500–4.000 € | Spediteur |
| Versicherung | 0,3–0,5 % | Versicherer |
| Zollgebühren | 0–17 % | Zoll |
| Einfuhrumsatzsteuer | 17–27 % | Zoll / Finanzamt |
| Zollabfertigung (Broker) | 50–150 € | Broker |
| Inlandstransport (Hafen → FBA) | 100–500 € | Spediteur |
| FBA-Einlagerung (Inbound) | 0–50 € | Amazon |
| = Landed Cost | Gesamtkosten bis ins FBA-Lager | |
| FBA-Gebühr (Lager + Versand) | variiert | Amazon |
| Amazon-Provision (Referral) | ≈ 15 % VK | Amazon |
| = Break-Even-VK | Mindestverkaufspreis für Gewinn | |
Merke: Landed Cost ist der echte Einkaufspreis, nicht der FOB-Preis. Auf den Landed Cost kommen dann noch FBA-Gebühren und Amazon-Provision. Alles davor ist Kapitalbindung ohne direkten Umsatz.
Rechenbeispiel: 500 Yoga-Matten aus China via FBA Deutschland
Ein realistischer Case: 500 Yoga-Matten, 8 € Stückpreis (FOB), per Seefracht von Shanghai nach Hamburg und von dort ins FBA-Lager. Verkaufspreis auf Amazon DE: 29,90 €.
Die Kostenfalle. Wer Zoll und EUSt in der Kalkulation weglässt, landet bei rund 19,62 € Gesamtkosten pro Stück statt 21,81 € — eine Marge von scheinbar 34 % statt realen 27 %. Das sind über 7 Prozentpunkte Differenz, die bei 500 Stück mal eben 1.090 € weniger Gewinn bedeuten als gedacht.
Berechne den Landed Cost für dein FBA-Produkt → Zoll-Rechner
FBA und die neuen EU-Regeln ab Juli 2026
Eine wichtige Unterscheidung: Die neuen Pauschalzölle (~3 € Zoll + ~2 € Handling) gelten für Direktversand-Sendungen an Endkunden, nicht für Containerimporte an ein Lager. Wer per FBA importiert (Container → EU-Lager → Amazon liefert an Kunden), ist von der neuen Regelung nicht direkt betroffen — es gelten weiterhin die regulären, HS-Code-basierten Zollsätze.
Betroffen sind vor allem Seller, die per Dropshipping einzelne Pakete direkt aus China an EU-Kunden versenden (z. B. über AliExpress oder eigene Lieferanten). Fazit: FBA-Import wird durch die neuen Regeln sogar attraktiver gegenüber Direktversand-Modellen.
- Reguläre Zölle (wie bisher)
- EUSt als Vorsteuer abziehbar
- Keine Handling-Fee pro Sendung
- Broker-Kosten einmalig pro Container
- Neue Pauschalzölle ab Juli 2026
- EUSt trotzdem fällig
- ~2 € Handling pro Paket
- Höhere Stückkosten bei Einzelsendungen
Die 5 häufigsten Zoll-Fehler bei Amazon FBA
- 1
HS-Code vom Lieferanten blind übernehmen
Chinesische Lieferanten geben oft den Export-Code aus China an — der muss für den EU-Import nicht korrekt sein. Ergebnis: falscher Zollsatz, im Worst Case Nachforderungen. Siehe HS-Code-Guide.
- 2
EUSt in der Margenkalkulation vergessen
Die EUSt macht bei 19 % einen großen Batzen aus. Auch wenn du sie als Vorsteuer zurückbekommst — ohne sie in der Kalkulation zu sehen, unterschätzt du deine echten Stückkosten. Details im EUSt-Artikel.
- 3
Nur den FOB-Preis als Einkaufspreis nehmen
Landed Cost ist der echte EK. Fracht, Versicherung, Zoll, EUSt und Nebenkosten gehören zwingend dazu — alles andere ist Wunschrechnung.
- 4
Kein Aufschubkonto beim Zoll
Ohne Aufschubkonto musst du Zoll und EUSt sofort bei Einfuhr zahlen — das bindet Liquidität für Wochen. Mit Aufschubkonto wird monatlich gesammelt abgerechnet, und seit 2020 lässt sich die EUSt auch direkt über die USt-Voranmeldung verrechnen.
- 5
Pan-EU-Steuerpflichten unterschätzen
Bei Amazon Pan-EU wird deine Ware in verschiedenen EU-Ländern gelagert. In jedem dieser Länder brauchst du eine USt-Registrierung und musst lokale Steuerpflichten erfüllen — das ist keine Einmalaktion, sondern laufender Aufwand.
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Alle Angaben sind unverbindliche Schätzungen und dienen der Orientierung. FBA-Gebühren variieren nach Produktgröße und Gewicht. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Für verbindliche Auskünfte wende dich an das zuständige Hauptzollamt oder einen Fachberater.