9 Min. Lesezeit

EU-US-Deal Juni 2026: Ratifizierung auf der Zielgeraden — und das stille Auslaufen der Section-122-Zölle

Anders als im Mai sieht es heute nach Deeskalation aus. Am 16. Juni stimmt das EU-Parlament final über die Gesetzgebung ab, die den Handelsdeal vom Juli 2025 umsetzt — nach einem klaren Votum im Handelsausschuss gilt eine Mehrheit als wahrscheinlich. Damit ist die EU auf Kurs, Trumps 4.-Juli-Frist einzuhalten und die 25 %-Auto-Drohung abzuwenden. Gleichzeitig läuft im Hintergrund eine zweite Uhr: Am 24. Juli enden Trumps Section-122-Zölle automatisch. Dieser Artikel ordnet ein, was im Deal steht, warum die Schutzklauseln verwässert wurden und was das für DACH-Importeure und -Exporteure bedeutet.

Update vom 1. Juli 2026: Es kam wie erwartet — das Parlament hat am 16. Juni zugestimmt, und die Verordnungen sind am 1. Juli in Kraft getreten. US-Industriegüter sind seitdem beim EU-Import zollfrei, die 4.-Juli-Frist ist eingehalten. Alle Details und die neuen To-dos stehen im Juli-Update. Der folgende Artikel gibt den Stand vom 14. Juni wieder.
Vorgeschichte: Wie es zur Eskalation im Frühjahr kam — Supreme-Court-Urteil, Auto-Drohung und 4.-Juli-Ultimatum — steht im Mai-Update US-Zölle Mai 2026. Die längere historische Einordnung liefert US-Zölle: Geschichte und Handelskrieg.

Wo der Deal heute steht

Die entscheidende Bewegung kam Ende Mai. Am 20. Mai einigten sich Rat und Europäisches Parlament auf die zwei Verordnungen, mit denen die EU ihren Teil des Joint Statements umsetzt. Am 2. Juni billigte der Handelsausschuss (INTA) beide Texte mit jeweils 31 zu 6 Stimmen bei 3 Enthaltungen. Der letzte formale Schritt ist die Plenar-Abstimmung am 16. Juni in Straßburg — danach folgt nur noch die förmliche Annahme durch den Rat.

Wichtig zur Einordnung: Die USA haben ihren Teil längst umgesetzt. Schon Ende 2025 senkten sie die Zölle auf EU-Autos von 27,5 auf 15 %. Die EU-Abstimmung dreht sich also nicht um die US-Zölle, sondern darum, dass die EU im Gegenzug ihre eigenen Zölle auf US-Industriegüter auf null senkt. Genau diese Gegenleistung war Trumps Bedingung — und der Hebel hinter der 4.-Juli-Frist.

Der Fahrplan bis Ende Juli

27. Juli 2025
Turnberry-Deal

Trump und von der Leyen einigen sich auf 15 % Pauschalzoll auf EU-Exporte, 0 % auf US-Industriegüter, dazu 600 Mrd. $ EU-Investitionen und 750 Mrd. $ Energie-Käufe bis 2028.

20. Mai 2026
Rat & Parlament einigen sich

EU-Rat und Europäisches Parlament verständigen sich auf die zwei Verordnungen, mit denen die Zoll-Elemente des Joint Statements umgesetzt werden. Die größte institutionelle Hürde ist genommen.

2. Juni 2026
Handelsausschuss (INTA) stimmt zu

Der Handelsausschuss des EU-Parlaments billigt beide Gesetzestexte mit jeweils 31 zu 6 Stimmen bei 3 Enthaltungen — trotz Kritik an verwässerten Schutzklauseln.

16. Juni 2026
Finale Plenar-Abstimmung

Das Plenum des EU-Parlaments stimmt in Straßburg final über die Tarif-Gesetzgebung ab. Mit einer Mehrheit ist nach dem klaren Ausschussvotum zu rechnen.

4. Juli 2026
Trumps Umsetzungsfrist

Bis zu diesem Datum erwartet Trump die vollständige Umsetzung des Deals durch die EU — andernfalls droht er weiter mit der Anhebung der Auto-Zölle auf 25 %.

24. Juli 2026
Section-122-Zölle laufen aus

Trumps universeller 10-%-Zoll unter Section 122 endet automatisch nach 150 Tagen — sofern der Kongress ihn nicht verlängert. Was danach kommt, ist offen.

Was genau im Deal steht

Der Kern ist ein pauschaler US-Zoll von 15 % auf die meisten EU-Exporte — als Obergrenze, nicht zusätzlich zu bestehenden Sektorzöllen. Drei Sonderfälle weichen davon ab:

WarengruppeZollsatzHinweis
Autos & -teile, Pharma, Halbleiter, die meisten Industriegüter15 %Obergrenze — kein Stacking mit Section-232-Zöllen
Stahl, Aluminium, Kupfer50 %Unverändert; Verhandlung über Lieferketten läuft separat
Flugzeuge & -teile, Kork & nicht verfügbare Rohstoffe, Generika + VorprodukteMFNMeistbegünstigungssatz (oft 0 %) statt der 15 %
EU-Zoll auf US-Industriegüter0 %Die EU senkt ihre Zölle auf null und öffnet Quoten für weitere US-Waren

Dazu kommen die politischen Zusagen aus Turnberry: 600 Mrd. US-Dollar EU-Investitionen in den USA und 750 Mrd. US-Dollar Energie-Käufe bis 2028. Beides sind politische Absichtserklärungen, keine vertraglichen Verpflichtungen einzelner Unternehmen — und damit weiter ein Streitpunkt.

⚠️ Für EU-Importeure von US-Waren: Der Deal regelt US-Zölle auf EU-Exporte. Die EU-Vergeltungszölle auf US-Bourbon, -Motorräder und -Agrarprodukte sind davon unberührt und bleiben aktiv. Wer US-Waren in die EU importiert, sollte den aktuellen TARIC-Eintrag prüfen.

Die Schutzklauseln — und warum sie verwässert wurden

Das Parlament hat dem Deal nicht bedingungslos zugestimmt. Es setzte zwei Sicherungen durch — beide allerdings schwächer, als ursprünglich gefordert.

Aussetzungs-Mechanismus

Die EU-Kommission kann den Deal auf Antrag des Parlaments oder eines Mitgliedstaats aussetzen, falls die USA die 50 % auf Stahl und Aluminium nicht bis Ende 2026 senken. Der Auslöser fiel weicher aus als gefordert.

Sunset-Klausel

Das Parlament wollte ein automatisches Auslaufen bereits im März 2028. Im Kompromiss wurde der Termin auf den 31. Dezember 2029 verschoben — der Deal bindet die EU also fast zwei Jahre länger.

Chefunterhändler Bernd Lange brachte die Haltung vieler Abgeordneter auf den Punkt: Man halte sich an den Deal — aber wenn die Gegenseite ihn breche, habe man „eine Menge Möglichkeiten“. Genau diese Restunsicherheit erklärt, warum die Zustimmung im Ausschuss zwar klar, aber nicht euphorisch ausfiel.

Das zweite Uhrwerk: Section 122 läuft am 24. Juli aus

Während Europa über den Deal abstimmt, tickt in Washington eine Frist, die leicht übersehen wird. Nachdem der Supreme Court am 20. Februar die IEEPA-Zölle gekippt hatte, stützte Trump seinen Universalzoll auf Section 122 des Trade Act 1974— ein zusätzlicher Zoll von 10 % auf praktisch alle Importe, gültig seit dem 24. Februar.

Section 122 erlaubt einen solchen Zoll aber nur für 150 Tage— und nur bis maximal 15 %. Die Frist endet am 24. Juli 2026. Danach kann nur der Kongress verlängern. Geschieht das nicht, hat die US-Regierung im Wesentlichen zwei Optionen:

  • den Zoll auslaufen lassen, einen neuen „Notstand“ erklären und die 150-Tage-Uhr neu starten, oder
  • stärker auf die rechtlich haltbareren Section-232- (Sektorzölle) und Section-301-Zölle (gegen China) setzen — der wahrscheinlichere Weg.
Rechtlicher Nachklang: Am 7. Mai erklärte zusätzlich das US-Außenhandelsgericht (Court of International Trade) auch die Section-122-Zölle für rechtswidrig. Die praktische Wirkung ist vorerst begrenzt — das Urteil ist angefochten, die Zölle bleiben bis zur Berufung in Kraft. Es zeigt aber, wie brüchig die Rechtsbasis der Universalzölle inzwischen ist.

Was bedeutet das für DACH-Importeure und -Exporteure?

Die gute Nachricht zuerst: Die Wahrscheinlichkeit einer Auto-Eskalation auf 25 % ist seit Mai deutlich gesunken. Stimmt das Parlament am 16. Juni wie erwartet zu, ist der 15-%-Rahmen für absehbare Zeit gesetzt. Drei Punkte bleiben aber auf der Agenda:

1. Stahl, Aluminium und Kupfer bleiben teuer

Bei 50 % ändert der Deal hier nichts. Wer stahl- oder aluminiumhaltige Vorprodukte über die USA bezieht oder dorthin liefert, sollte die Aussetzungs-Klausel Ende 2026 im Blick behalten — sie kann die Lage kurzfristig drehen.

2. Restunsicherheit bis zur Ratifizierung

Bis zum 16. Juni und der förmlichen Annahme durch den Rat ist der Deal nicht endgültig. Für zeitkritische Kalkulationen lohnt sich, den 15-%- und den 25-%-Fall parallel zu rechnen — mit dem TariffIQ Zollrechner lassen sich beide Szenarien direkt vergleichen.

3. EU-Vergeltung und China-Umleitung laufen weiter

Unabhängig vom Deal bleiben die EU-Vergeltungszölle auf US-Waren aktiv, und die hohen Section-301-Zölle gegen China lenken Warenströme weiter nach Europa um. Wer US-Waren importiert oder langfristige China-Verträge hat, sollte Alerts auf die relevanten TARIC-Codes setzen.

Häufige Fragen

Ist der EU-US-Deal jetzt in Kraft?

Teilweise. Die USA haben ihren Teil — 15 % statt 27,5 % auf EU-Autos — bereits Ende 2025 umgesetzt. Auf EU-Seite fehlt noch die finale Zustimmung: Der Handelsausschuss hat am 2. Juni grünes Licht gegeben (31:6:3), die entscheidende Plenar-Abstimmung im EU-Parlament findet am 16. Juni statt. Danach folgt die förmliche Annahme durch den Rat. Erst damit setzt die EU ihre Zölle auf US-Industriegüter formal auf null.

Bleiben die Auto-Zölle wirklich bei 15 %?

Nach dem Deal ja. 15 % gelten als Obergrenze quer durch fast alle Warengruppen, inklusive Autos, Auto-Teilen, Pharma und Halbleitern — ohne Stacking mit Section-232-Zöllen. Trumps 25-%-Drohung vom 1. Mai war an eine ausbleibende EU-Umsetzung geknüpft. Stimmt das Parlament am 16. Juni zu und hält die EU die 4.-Juli-Frist ein, ist die Drohung vorerst vom Tisch.

Was ist mit Stahl und Aluminium?

Die bleiben außen vor: Auf Stahl, Aluminium und Kupfer zahlt die EU weiterhin 50 %. Das Parlament hat sich aber eine Schutzklausel gesichert — die EU-Kommission kann den Deal auf Antrag des Parlaments oder eines Mitgliedstaats aussetzen, falls die USA diese Sätze nicht bis Ende 2026 senken.

Warum spricht man von „verwässerten“ Schutzklauseln?

Das Parlament wollte ursprünglich eine Sunset-Klausel, die den Deal bereits im März 2028 automatisch auslaufen lässt, sofern er nicht verlängert wird. Im Kompromiss wurde dieses Datum auf den 31. Dezember 2029 verschoben. Auch der Auslöse-Mechanismus für eine Aussetzung fiel schwächer aus als gefordert. Mehrere Abgeordnete stimmten deshalb mit Bauchschmerzen zu.

Was bedeutet das Auslaufen der Section-122-Zölle am 24. Juli für mich?

Section 122 erlaubt dem US-Präsidenten einen Universalzoll von max. 15 % für nur 150 Tage. Trumps 10-%-Zoll vom 24. Februar endet damit am 24. Juli automatisch, sofern der Kongress ihn nicht verlängert. Praktisch dürfte das wenig ändern: Die US-Regierung kann eine neue Begründung wählen oder — wahrscheinlicher — stärker auf die rechtlich haltbareren Section-232- und Section-301-Zölle setzen. Für EU-Importeure von US-Waren bleibt entscheidend, dass die EU-Vergeltungsliste unabhängig davon aktiv ist.

Hat ein US-Gericht die Section-122-Zölle nicht gekippt?

Am 7. Mai 2026 erklärte das US-Außenhandelsgericht (Court of International Trade) den 10-%-Zoll unter Section 122 in einer geteilten Entscheidung für rechtswidrig. Die praktische Wirkung ist bislang aber begrenzt: Das Urteil ist angefochten, die Zölle bleiben bis zur Berufungsentscheidung in Kraft. Es unterstreicht jedoch, wie wackelig die Rechtsgrundlage von Trumps Universalzöllen geworden ist.

15 % oder 25 %? Rechne beide Szenarien für deine Produkte durch.

Berechne Zölle und EUSt für jedes Produkt, vergleiche Ursprungsländer und richte Alerts auf deine TARIC-Codes ein. Kostenlos und ohne Anmeldung.

Stand: 14. Juni 2026, aktualisiert am 1. Juli 2026 (Update-Hinweis oben). Die hier beschriebene Lage ist hochdynamisch — Abstimmungen, Fristen und Zollsätze können sich kurzfristig ändern. Die Plenar-Abstimmung am 16. Juni stand bei Redaktionsschluss noch aus; sie fiel wie erwartet positiv aus. Alle Angaben sind unverbindliche Orientierung und ersetzen keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Für verbindliche Auskünfte wende dich an das zuständige Hauptzollamt oder einen Fachberater.